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‚Ariadnes Fäden‘ ein Buch über Griechenland, Stricken und Wolle

 

Das Buch ‚Ariadne’s Fäden‘ liegt angenehm in der Hand und die schöne Fadenbindung ermöglicht es, die Seiten offen liegenzulassen. Ein großer Vorteil für Strickerinnen. Praktisch ist auch das Lesezeichen mit den Abkürzungen der Strickschrift, denn so sind sie immer gleich zur Hand und müssen nicht, wie sonst die Regel, irgendwo hinten im Buch gesucht werden.

Im Untertitel wird eine Strickreise durch Griechenland versprochen. Griechisches Stricken – gibt es das überhaupt, habe ich mich gefragt.

Es hat gedauert, bis ich das Buch gründlich gelesen hatte. Denn es ist nicht nur ein Strickbuch, Sylvia Tsoúkas nimmt ihre Leser mit in ihr Leben. Sie erzählt, wie sie die griechische Familie ihres Mannes kennenlernte und welche Orte und Regionen in Griechenland sie besucht. Begegnungen mit Verwandten und Nachbarn, die Berge und das Meer genauso wie das Licht und die Architektur inspirieren sie zum Zeichnen und zum Umsetzen ihrer Zeichnungen in Strickmuster. Auf Schals, Mäppchen, Socken und Jacken mit Lochmustern, Jacquard-Strickereien und Reliefmustern finden sich dann ihre Eindrücke wieder.

 

 

Bei den insgesamt 44 Modellen findet jede Strickerin sicher das eine oder andere Modell zum Nachstricken. Bei mir waren es die ‚Pasumákia‘-Slipper. Als kleines Gastgeschenk für den Besuch sind sie, gerade jetzt in der kalten Jahreszeit, wirklich praktisch. Was mein Besuch damit anfängt, wenn er wieder zuhause ist, dass muss ich jetzt unbedingt einmal fragen. Denn bisher habe ich acht (!) Paar gestrickt, die jedes Mal gerne bei der Abreise mitgenommen wurden.

 

 

Ich bin beeindruckt, mit wieviel Kreativität die Autorin Lösungen für Designfragen findet. Beispielsweise ist die Ansatzkante de Kapuze des Hoody-Pullovers überlappend angesetzt und am Rand mit einer zweifarbigen Kante gestrickt. Das ist nicht nur ein schöner Abschluss, sondern auch praktisch, weil hier eine Kordel eingezogen werden könnte. Immer gemäß ihrer Devise: „Einfach muss es sein und funktional. Natürlich sollen meine Modelle ästhetisch sein, aber einfach. Und am liebsten nahtlos. Ich mag es nicht, Sachen zusammenzunähen.“

Sicherlich finden auch Strickanfänger das eine oder andere Modell, aber je mehr Strick-Erfahrung, umso brauchbarer ist das Buch. Sylvia Tsoúkas beschreibt nicht nur ihre Modelle sehr genau, sondern auch ihre Vorgehensweise beim Entwerfen, sowie ihre Woll-Präferenzen. Und dann gibt es viel über Hellas zu lesen.

Insofern hält das Buch was es im Titel verspricht, nämlich eine Strickreise durch Griechenland. Eine griechische Strick-Tradition, so wie es eine norwegische Strick-Tradition gibt, scheint nicht zu existieren. Aber wenn es griechisches Stricken gibt, dann bei Sylvia Tsoúkas. Und wer weiß – eine Tradition hat ja auch immer irgendwann angefangen.

 

 

Die langjährige Strickerin Sylvia Tsoúkas ist gelernte Bewegungs- und Musikerzieherin. Es hat mir Freude bereitet, mit ihr über ihr Buch, über Wolle und Stricken zu sprechen. Und ich hoffe, das bald wiederholen zu können. Hier ein kleiner Auszug aus unserem Gespräch:

 

Mit welcher Wolle stricken Sie am liebsten?

„Ich bin eine Liebhaberin der Finkhof Wolle. Die Finkhof-Wolle ist mir das erste Mal auf dem Weihnachtsmarkt in Stuttgart aufeefallen. Das muss Anfang der 90er Jahre gewesen sein. Jedes Jahr habe ich mich dort mit Vorräten eingedeckt. Es ist so praktisch, wenn die Farben und die Qualität gleichbleiben. Und die Qualität ist wirklich gut. Die Wolle hat so etwas Ehrliches. Und Maschenproben fallen auch weg, weil ich einfach weiß, wie die Wolle reagiert.“

 

Warum stricken Sie nicht mit griechischer Wolle?

„In Griechenland gibt es keine einheimische Wolle zu kaufen. Die regionale Wollproduktion ist zu hundert Prozent zusammengebrochen. Die EU fördert nur die Produktion von Schafskäse, nicht die von Wolle.

Dabei gibt es dort so viele Schafe. Für das Buch wollte ich unbedingt griechische Schafe fotografieren. Also fragte ich herum und bekam einen Tipp. Ich stellte mich an eine bestimmte Ecke und wartete. Tatsächlich kam bald eine große Herde. Der Hirte hatte so einen Schnauzbart. Und ich zückte meine Kamera und knipste und knipste. Es war fürchterlich staubig aber zum Glück sind ein paar Fotos etwas geworden. Der Hirte erzählte, dass er nur die Milch der Schafe verkaufen könnte, die Wolle würde niemanden interessieren. Er müsste sie in den Fluss werfen. Dabei sei sie recht gut. Nicht derb.

Im Pindos – Gebirge gibt es mehr Schafe als Menschen. Es ist so schade um diese Wolle. Aber Baumwolle gibt es. Griechenland ist europaweit der größte Baumwollproduzent. Diese Baumwolle kaufe ich immer gerne, wenn ich in Griechenland bin. Sie heißt Bexyz, das bedeutet ‚Schmetterling‘ und es gibt sie in einem phantastischen Farbspektrum.“

 

Wie sind Sie auf das Thema ‚griechisches Stricken‘ gekommen?

„Stricken ist für mich eine ganz persönliche Angelegenheit. Als ich mir früher die ganzen Muster anschaute, gefielen mir zum Beispiel die Norwegersterne richtig gut. Aber ich fragte mich, was die mit mir zu tun haben. Ich liebe Griechenland, ich fühle griechisch. Warum sollte ich nicht griechisch stricken? Also zeichnete ich Muster und strickte los. Stricken tut einfach gut. Und Griechenland tut gut. Ich hoffe, dass die Fotos der griechischen Landschaft das transportieren. Es sind nicht nur die Farben und die Schönheit der Landschaft. Es sind auch die Verhaltensweisen der Menschen, die das tun, was ihnen guttut. Davon erzähle ich dann auch in dem Buch. Weil mir das wichtig ist und weil das alles zusammengehört. Etwas zu tun, weil es guttut.“

 

 

Das Buch ‚Ariadnes Fäden‘

von Sylvia Tsoúkas

ist erschienen im Maro-Verlag

und dort, portofrei, für 30 Euro zu bestellen oder im Buchhandel zu erwerben

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