BlogStricken

Fair Isle Fisherman-Kep – Eine ganz besondere Mütze

Die Worte ’Fair Isle’ lösen bei Strickerinnen zweierlei aus: …/for english readers: you will find the english version right after the german text einen Seufzer, weil die bunten Strickwaren dieser Art wunderschön sind. Und: Leichte Panik ob der Kompliziertheit des Musters.

Dabei mag ich diese Muster besonders gern. Bei Fair Isle kommt hinzu, dass es so eng mit der Region verbunden ist und ganz eigene Geschichten erzählt. Eine davon ist die der Fair Isle Fisherman’s Kep (Schreibt sich wirklich so).

Das ist eine Mütze, deren Muster direkt von den Fair Isle-Inseln im äußersten Norden Großbritanniens kommt. Das ist nicht selbstverständlich, denn zum einen wird häufig alles kleinteilig Gemusterte als ‚Fair Isle’ bezeichnet. Zum anderen wird oft auch ein Strickmuster ‚Fair Isle’ genannt, welches ganz woanders auf der großen weiten Welt entstanden ist.

Bei Lebensmitteln ist inzwischen einigermaßen anerkannt, dass ein Parma-Schinken aus der Region Parma zu kommen hat, eine Spreewald-Gurke aus dem Spreewald und eine Nürnberger Rostbratwurst – na klar, aus Nürnberg. Sonst ist es eben eine Bratwurst nach Nürnberger Art.

Regionen unterscheiden sich durch ihre einzigartigen und unverwechselbaren Produkte. So auch die typischen Handarbeiten und Muster einer Gegend. Es gibt keine EU-Behörde, die das kontrolliert. Das ist ja auch das Herrliche an einer kreativen Arbeit, dass sie kaum Grenzen kennt. Aber ich finde es wichtig, dass es ein Bewusstsein gibt dafür, wo die Muster herkommen, welche Bedeutung sie möglicherweise haben und welche Techniken traditionell verwendet werden. Letzten Endes ist es eine Frage der Fairness, die Quelle der Inspiration zu nennen.

Das musste vor zwei Jahren das französische Modehaus Chanel feststellen, als sie ein Muster der Fair-Isle Designerin Mati Ventrillon abkupferten und als ihr eigenes ausgaben. Die Haute-Couture-Hersteller sahen ihren Fehler ein und entschuldigten sich bei der Strick-Designerin. Schlauer ging dieses Jahr das britische Label Oasis vor. Sie baten die Kuratorin der Textilsammlung im Shetland Museum and Archive, Carol Christiansen um Hilfe. Um die Muster in ihrem Kontext genau zu recherchieren. Wer mehr darüber lesen möchte und das Ergebnis der Recherchen sehen will, findet hier den ganzen Artikel aus der Shetland Times.

So viel zum Thema regionale Identität, doch eigentlich will ich ja von der Fair Isle Fishermans Kep erzählen, die ihre eigene bestrickende Geschichte hat.

Fair Isle ist mit die einsamste der zahlreichen schottischen Inseln. Sie liegt nördlich vom schottischen Festland, auf dem halben Weg von Shetland nach Orkney. Zu ihr gelangen Reisende ausschließlich über die Shetland- oder die Orkney-Inseln. Entweder mit einem kleinen Boot das 12 Passagiere mitnehmen kann, der ‚Sea Shepard IV’ , in einer rund zweieinhalb-stündigen Fahrt. Oder einem kleinen 7-Sitzer-Flugzeug vom Flughafen Tingwall auf Shetland , bzw. Kirkwall auf Orkney. Hier gelten Kameras und Ferngläser als einzig erlaubtes Handgepäck und für weiteres Gepäck ein Gewichtslimit von 15 Kilo. Bei schlechtem Wetter – und in der kalten Jahreszeit ist das Wetter an der Grenze von Nordatlantik und Nordsee ziemlich oft stürmisch – sind die rund 50 Bewohner oft tagelang nicht zu erreichen. Wie gesagt, für heutige Verhältnisse sind die Inseln abgelegen.

Doch als Seewege noch die Hauptverkehrsrouten und Handelswege bestimmten, da lag Shetland im Mittelpunkt. Denn für die Schiffe waren sie Versorgungsstation, Umschlagplatz für die Fischerflotten und Handelsplatz. Als Autos und Flugzeuge zum Massentransportmittel wurden gerieten viele Inseln in Vergessenheit. Die Bewohner waren gezwungen sich neue Einkommensquellen zu erschließen.

Gestrickt wurde auf den Inseln etwa seit dem 16. Jahrhundert. Zum einen, weil alles was selber hergestellt werden konnte, nicht für viel Geld über den Seeweg bestellt werden musste. Zum anderen wegen des besonderen Klimas: Regen, Nebel und Wind, aber keine eisige Kälte und Schnee sind Wetterbedingungen, für die kaum ein Material so gut geeignet ist wie die Wolle der Shetland-Schafe. Was lag also näher als das Gestrickte auch zu verkaufen. Zunächst an die Fischer, die mit den Flotten vor Anker gingen.

Dann, als sich die Kunstfertigkeit der Strickerinnen nach London herumsprach, feine Strümpfe und Lace-Schals, die bis ins Viktorianische Zeitalter sehr gefragt waren.

Als maschinengestrickte Strümpfe aufkamen, brach dieses Gewerbe ein. Es wurde wieder für den Eigenbedarf gestrickt. 1814 beschrieb Sir Walter Scott nach einem Besuch auf Fair Isle eine fishermen’s cap. Klar, denn das Gestrickte mit doppeltem Faden hält besonders warm. Das, was heute als ‚Fair Isle-Strickerei’ bezeichnet wird, wurde 1856 erstmals beschrieben, von Miss Eliza Edmondstone in ‚Sketches and Tales oft the Shetland Isles’. Etwa fünfzig Jahre später hatten die Insel-Strickerinnen, die Muster perfektioniert und strickten so nicht nur Strümpfe und Fischermützen, sondern auch Pullover.

Vor ziemlich genau hundert Jahren machten die Frauen von den Inseln die Marke ‚Fair Isle’ zum Exportschlager. Als besonderer Werbecoup erwies sich 1921 das Geschenk eines V-Ausschnitt-Pullovers mit Fair-Isle-Muster an den damaligen Thronfolger und Prinzen von Wales (später Edward VIII), der das gute Stück dann zum Golfen anzog. Der Pulli wurde tausendfach nachgestrickt. Dann gerieten die Muster in Vergessenheit.

Bis ein paar Frauen auf Fair Isle wieder eine großartige Idee hatten. 2010 wollten Anne Sinclair, Haa Liz und Kennaby Lise nicht nur die alte Idee wiederbeleben, dass auf den Inseln hergestellte Waren an Reisende verkauft werden sollten (Nur dass die Reisenden inzwischen auf Kreuzfahrtschiffen oder bei Segel-Wettrennen vor Anker gehen). Sie wollten auch die Farben und Muster der Fair Isle-Strickerei erhalten und weitergeben. Und außerdem wollten sie das Museum der Insel unterstützen.

Die Zipfelmützen mit Fair Isle-Muster sind, wie gesagt, typisch für die Region. Für das Museum-Fundraising überarbeitete Anne Sinclair ein altes Muster und im Winter 2010/2011 wurde gestrickt – die mit copyright versehene ‚Fair Isle Fisherman Kep’. Die 49 typischen Fischermützen mit der perfekt dafür passenden Wolle stellten die Frauen im Museum aus, bevor die Besucher kamen, die Mützen kauften und die Keps in alle Himmelsrichtungen verschwanden. Die Nachfrage blieb bestehen. Von dem eingenommenen Geld wurden Fenster eingebaut, aber immer noch interessierten sich Strickerinnen für die Anleitung.

Seit dem 11. Dezember 2016 gibt es nun auf facebook eine Gruppe mit dem alleinigen Ziel Anne’s ‚Fair Isle Fisherman Kep’ zu verbreiten und Strickerinnen beim Nachstricken zu unterstützen.

In der Gruppe geht es ausschließlich um diese Mütze – mit welcher Wolle, mit welchen Nadeln wie viele Maschen anzuschlagen sind, wie die Abnahmen und die Reihenfolge der Muster gestaltet werden kann. Es gibt Dateien zum Herunterladen in denen die einzelnen Schritte, bis zum Anfertigen der Quaste genau beschrieben werden. Ein Forum, das Hilfestellung leistet und natürlich eine Galerie mit Fotos der fertigen Kopfbedeckungen. Anfangs war mir nicht ganz klar, auf welchen Wegen ich die Anleitung erhalte. Es ist ganz einfach: Man überweise per paypal zehn Pfund an die Mail-Adresse des Museums und erhält per e-mail eine pdf mit der Anleitung für die Fair Isle Fishermans Kep zurück.

Wer sich für Fair Isle Strickerei interessiert, für den ist diese Gruppe ein toller Einstieg. Es gibt gemeinsame Projekte – KnitALong’s – damit man bei der ersten Kep nicht so alleine ist. Fragen werden von den erfahrenen Kep-Strickerinnen schnell beantwortet. Darunter sind auch einige deutschsprachige Mitglieder, so dass auch diejenigen nachfragen können, die ihrem Englisch nicht trauen. Und das Geld für die Anleitung dient einem guten Zweck, dem Erhalt des Museums – es gibt also keinen Grund mehr, nicht sofort eine Fair Isle Fisherman’s Kep zu stricken!

Aber Vorsicht: Das Stricken macht absolut süchtig. Meine erste Kep habe ich fertig, zugegebenermaßen nicht in den traditionellen Farben. Also habe ich kurzentschlossen Wolle von Foula bestellt, damit ich eine ganz klassische Kep stricken kann. Von der Foula-Wolle muss ich dann später erzählen….

The words ‚Fair Isle’ evoke two kinds of reaction with knitters: a little sigh, in awe of the beautiful multi-colored knitwear. And a slight attack of panic because the colorwork seems so complex and difficult to knit.

When, at the beginning of december, it started to get cold, I had been looking for a cap-pattern where I could use up my self-dyed yarn. And I remembered a very special Fair Isle cap: The Fair Isle Fisherman’s Kep ( you really write it this way).

 

It’s a cap, whose pattern stems directly from Fair Isle. Which is very special indeed. On the one hand, very often all multi-colored knitting is called ‚Fair Isle’. On the other hand there are so called ‚true Fair Isle-patterns’ that originate from any place in the big, wide world. With food it’s nowadays quite acceptetd, that a Parma-ham has to be from the region Parma in Italy, a Roquefort cheese from Roquefort and a Nürnberger Bratwurst – sure, from Nürnberg. Otherwise it would be a Bratwurst a la Nürnberg.

Regions differ in their unique and distinctive products. So do the typical handicraft and patterns of a region. There is no EU-Agency to control that. Which is the wonderful thing about creativity: there are no borders. But I think it’s important to raise a conscience for the origin oft the patterns, to know the meaning they might have and the techniques that are used.

And Fair Isle-patterns originate from a small island near to Shetland and there is a growing awareness in the Knitter- und Designer-community there. After all: it’s a question of Fairplay to name the origin of your inspiration.

The French fashion-label Chanel had to find out about this the hard way, when two years ago they claimed a pattern of Fair isle Designer Mati Ventrillon to be their own. The Haute-Couture-Makers finally understood the problem and asked for pardon. Much smarter was the way oft he British Label Oasis. They asked Carol Christiansen from the Shetland Museum and Archives for help. Because they wanted to research the patterns in their original context. If you want to read more about this and the outcome of the research: here you can find the article from the Shetland-Times.

So much concerning regional identity, but I rather want to tell you abot the Fair Isle Fisherman’s Kep with its very own story.

Fair Isle is one oft the loneliest of the many scottish islands. It’s situated north of scottish mainland and halfway from Shetland to Orkney. Travelers can reach it only from Shetland or Orkney. Either by a small boat, the Sea Shepard IV, that carries up to twelve passengers in a two and a half hour ride. Or a little 7-seater airplane from the airports Tinwall on Shetland or Kirkwall on Orkney. Here cameras and binoculars are the only accepted hand-luggage and your suitcases shouldn’t exceed the weight of 15 kilos. When weather-conditions do not allow it – and weather is often stormy at the border of the North-sea and the Atlantic ocean – the about 50 islanders cannot be reached for days. As said – for todays settings Fair Isle or Shetland are remote.

 

Knitting became popular on Shetland and Fair Isle in the 16th century. On the one hand, because everything that was produced by yourself did not have to be puchased for much money via ships from the mainland. On the other hand because the best available material for the existing weather conditions – rain, fog, wind – was the wool of the Shetland-sheep. So it was obvious selling the knitwear to the fishermen from all over the world, who were in need of warm clothes.

Later, when the craftmanship of the knitters, was heard of in London, fine Lace-Stockings and shawls were sold. Until the Victorian Age.

When machine-knitting was invented, the handknitting business broke down. Knit-wear was used more or less only for domestic use. In 1814 Sir Walter Scott described, after a visit to Fair Isle, a ‚Fishermn’s cap’. Sure, the knitting with two threads was extra warm. What is called ’Fair isle’ today was described first by Miss Eliza Edmondstone in’Sketches and Tales of the Shetland Isles’. About fifty years later the island-knitters had perfected the patterns and they didn’t only knit socks and caps, but also sweaters.

Almost exactly hundred years ago some women of the islands made ‚Fair isle’ an export-hit. A very clever marketing-strategy was to present a Fair-Isle sweater in 1921 to the Prince of Wales, who wore the piece while golfing. The sweater was copied manifold.

But then again – Shetland/Fair Isle and its knitting were forgotten.

 

Until some women had a great idea. 2010 Anne Sinclair, Haa Liz and Kennaby Lise not only wanted to revive the idea of trading goods to travelers by sea ( only that nowadys traveler visit on yachts and cruising ships). They also wanted to promote the colors and patterns of Fair Isle knitting. And, furthermore, to support the island.

The Keps with the Fair Isle-pattern are typical for the region. So Anne Sinclair re-modeled one of her older patterns for the museum-fundraising and during the winter of 2010/11 the knitting of the ‚Fair Isle Fisherman’s Kep’ was accomplished. The forty-nine typical Keps were exhibited in the museum bevor visitors came, bought them and went with them in every corner oft he world. But demand continued. Knitters came and also wanted to knit and own a true ‚Fair isle Fisherman’s Kep’.

Since december 11th 2016 there exists a facebook-group with the only aim to promote the ‚Fair Isle Fishermen’s Kep’

In this group it’s all about the Kep – which wool do you use? With which needle-size do you cast on how many stitches? How do you decrease? Which is your pattern-order? Which colors do you use? And so an. There is so much help –  there are files to download from the first steps of ‚how do you call this color’ to ‚Finishing the Tassel’. You can ask for help and many Kep-experienced knitters answer your question. And of course there is a gallery of all the finished Keps.

In the beginning I didn’t read all oft he instructions and was not quite sure how to receive the pattern. But it really is so easy: You pay via Paypal ten Pounds to the museum-e-mail and receive an e-mail back with a pdf oft he pattern.

But caution! Kep-knitting is absolutely addictive. My first Kep is finished – but not in traditional colors….. Very determined I ordered wool from Foula. You have never heard of Foula? Well, that’s another story…..

 

Fair Isle gehört, wie Foula, Unst, Whalsay und viele andere kleine Inseln zu Shetland

Kommentar hinterlassen

* erforderlich
** wird nicht veröffentlicht

An:
Wollwärts

Sicherheitsfrage: *

  1. elisabeth busse

    hallo
    der votrag war sehr informativ und hat mich ermutigt, der facebookgruppe beizutreten. ich stricke fair isle pullover und habe mich an die kep nichtrangetraut.mach ich jetzt
    vielen dank
    elisabeth

Blog

Eventkalender

Nach oben